Auf der Suche nach Wahrheit

Montag, 10. August 2026

Im Juni 2026 hat das Europäische Parlament eine Gesetzesänderung zur Einwanderungspolitik bewilligt, die von Menschenrechts-Organisationen kritisiert wird, weil sie die Folgen behandelt (z.B. Abschiebung) statt der Ursachen (z.B. Krieg, Armut oder Verfolgung). Nach der Abstimmung hatten rechtsgesinnte Parlamentsmitglieder „send them back“ gegrölt in ihrer Freude über den errungenen „Sieg“. „Ich habe mich in diesem Parlament noch nie so unsicher gefühlt“ sagte daraufhin Abir Al-Sahlani, eine im Irak geborene schwedische Politikerin und Mitglied des Europäischen Parlaments. (Quellen: 1, 2, 3)

Wo Menschen zusammenleben, muss es notwendigerweise auch Gesetze und Regeln geben. Unsere politischen Apparate tun nichts anderes als Gesetze in Worte zu fassen und diese Formulierungen ständig weiter zu entwickeln. Und Demokratie funktioniert rein binär: man stimmt entweder dafür oder dagegen, ein Vorschlag ist entweder richtig oder falsch, gut oder böse.

Ich brauche gar nicht so weit oben zu suchen. Ich war dieses Wochenende mit den estnischen Taizé-Freunden auf dem Festival Viru Folk, wo wir die Besucher dieses Jahr schon zum sechsten Mal zum Gebet mit Liedern aus Taizé einluden. Aber Silja (Name geändert), ein Mitglied unserer Gruppe, verließ uns nach der ersten Nacht, weil sie die elementaren Sicherheitsbedingungen nicht erfüllt fand. Sie war beim Aufbauen ihres Zeltes von einem Mann angesprochen worden, der eine Bierflasche in der Hand hielt und mit seinem Sohn im Zelt gleich neben dem ihrem schlief. Daraufhin hat sie quasi die ganze Nacht wachgelegen, mit der Trillerpfeife in der Hand. Silja kommt aus einem Land, wo selbst staatliche Sicherheitskräfte Vergewaltigungen und deren Androhung systematisch als Instrument der Folter und politischen Repression einsetzen. (Quelle: 1)