Dirty Mary ließ ihr Publikum Purzelbäume schlagen

Sonntag, 15. März 2026

Mari war wieder in der Zeitung, wieder unter ihrem Künstlernamen „Dirty Mary“, diesmal schon im Tartu Postimees. Hier einige frei übersetzte Auszüge des Berichts von Aet Rebane:

Gestern Abend fand in der Gallerie „Kett“ (…) eine Drag-Show mit Dirty Mary statt. Wer eine theatralische Aufführung mit Choreografie und Lippensynchronisation erwartet hatte, konnte stattdessen konzeptuelle Performancekunst erleben. Einige Dutzend Menschen hatten sich in der Galerie versammelt, und zunächst herrschte gespannte Stille. Viele Besucher waren zunächst verwirrt, als die Künstlerin begann, die Schuhe der Besucher zu putzen. (…) Im Laufe des Abends bot die Künstlerin den Gästen Bloody Marys und andere Getränke und Speisen an, die die Leute sich allerdings erst verdienen mussten durch einen kleinen Auftritt, beispielsweise durch Purzelbäume, Singen, Klatschen, Liegestütze oder indem man einen anderen Besucher auf den Schoß nahm. „Ich nutze ein Element, das in estnischen Volkstänzen üblich ist: Ein Pfand wird jemandem im Spiel abgenommen und muss eingelöst werden, um es zurückzubekommen. Diese Logik wollte ich mit der Ausgabe von Cocktails verbinden, das Publikum einbeziehen und es ein wenig provozieren.“

Dirty Mary, oder Mari Saffre unter ihrem bürgerlichen Namen, studiert Textil an der Pallas-Universität. Drag bietet ihr die Möglichkeit, mit verschiedenen Frauenrollen zu spielen, daher das Bild einer Dienerin, denn laut der Künstlerin wird Frauen oft genau diese Rolle zugeschrieben. „Ich möchte in meinen Performances eine Welt erschaffen, in der das Publikum seine Sorgen vergessen kann. In diesem Werk ist die Schöpferin dieser Welt eine freundliche und großzügige Bardame.“ Die Künstlerin interessiert sich außerdem dafür, die Fetischisierung von Frauen aus einer anderen Perspektive zu verstehen und zu hinterfragen. „Ich trage in meinen Drag-Performances oft Spitze und Rüschenunterwäsche.“ (…)

Stina Leek, die Betreiberin der Galerie, sagte „Es kann wirklich toll sein, das Publikum ein wenig miteinander in Kontakt zu bringen. Die Performance muss nicht so sein, dass alle in völliger Stille dasitzen und eine Person beobachten, sie muss nicht angespannt sein. Ich bin sehr froh, dass Mari den Mut und das Risiko auf sich genommen hat, denn die jüngere lokale Szene macht das nicht oft.“ Leek betonte, dass Performance ein sehr gutes Format sei, um die direkte Kommunikation zwischen Menschen zu fördern, die sonst nicht so ungezwungen miteinander ins Gespräch kämen. „Eine gute Möglichkeit, Gemeinschaften aufzubauen“, fügte sie hinzu.

Drag-Kunst ist höchstwahrscheinlich nicht mein Geschmack (Mari wehrte entschieden ab, als ich fragte, ob ich zur Aufführung kommen solle), aber beim Lesen des Berichts denke ich, dass der Apfel nicht sehr weit vom Stamm gefallen ist.