Die Schuldverweigerer

Es gibt Menschen, die ein gestörtes Verhältnis zu ihren eigenen Unzulänglichkeiten haben. Ich nenne sie mal die Schuldverweigerer.

Der Schuldverweigerer findet es nicht richtig, dass er über seine Unzulänglichkeiten, Schwächen und Fehler nachdenken solle.

Dass wir uns nicht missverstehen: Wir alle haben es schwer, unseren Fehlern ins Angesicht zu schauen. Das ist normal. Uns allen passiert es immer wieder mal, dass wir uns davor sträuben oder uns weigern. Zum Beispiel wenn du auf einer Versammlung eine Meinung vertrittst, die sich kurz danach als erwiesenermaßen falsch herausstellt. Das ist dann peinlich. Je nach deinem Charakter und der Art und Weise, wie es sich herausstellt, kann das zu einer Panoplie von Gegenreaktionen führen. Deine charakterbedingten Gegenreaktionen können ihrerseits Lawinen von weiteren Emotionen auslösen. Wir alle ziehen dann gelegentlich alle möglichen Register, um unseren eigenen Fehler zu vertuschen, wieder zu vergessen, unter den Teppich zu kehren.

Dadurch bist du noch kein Schuldverweigerer. Schuldverweigerer bist du, wenn du das Verstecken der eigenen Fehler vor dir selbst dann auch noch gut findest.

Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken im eigenen Auge siehst du nicht?

Ich meine die Situationen, wo sie damit konfrontiert werden, dass sie etwas „falsch“ gemacht haben. Sie reagieren dann überempfindlich. Ihr Selbstbild zerfällt dann wie ein Kartenhaus, die ganze Welt geht unter. Bis sie sich wieder „erholt“ haben von dem Schreck. Aber diese Erholung, so scheint mir, ist dann auch nur Selbstbetrug, denn sie besteht darin, das Erlebte unter den Teppich zu kehren und nicht mehr daran zu denken.

Aber der Schuldverweigerer schüttet das Kind mit dem Bade aus, wenn er so denkt?

Die eigenen Fehler

Die Kirche spricht ja so gerne von Schuld und Sünde. In „Gedanken, Worten und Werken“. Also alles was man an Bösem denkt, sagt und tut, das ist Sünde. Und dann gibt es noch die Unterlassungssünde. Also was man an Gutem nicht denkt, sagt und tut, das ist auch Sünde.

  • Verstoß gegen ein Gesetz oder Gebot
  • die eigenen Unzulänglichkeiten, Schwächen und Fehler

Weshalb ist es wichtig, die eigenen Unzulänglichkeiten, Schwächen und Fehler zu erkennen?

In der Bibel gibt es viele „Geschichten der gescheiterten Treue zu Gott, der verschlossenen Herzen, die die Barmherzigkeit des Herrn nicht empfangen können.“ Papst Franziskus ruft uns dann zu: „Beichte, Sünder! Und wenn du sagst: ‚Ich bin ein Sünder‘, öffnet sich dein Herz, und die Barmherzigkeit Gottes dringt ein, und du beginnst treu zu sein.“ (Unvollkommen und sündig, aber ein offenes Herz)

Ursache von Schizophrenie

Ich denke, dass unser anerzogener falscher Umgang mit den eigenen Fehlern [1] zu Schizophrenie führen kann. Training im „richtigen“ Umgang damit kann also vorbeugend vor Schizophrenie schützen.

[1]„Ich-Entwicklungsdefizite oder gravierende Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren können dagegen Faktoren sein, die zu einer größeren Vulnerabilität, also Krankheitsanfälligkeit, führen.“ [#]

Religiöse Wolllust

Das Schuldbekenntnis der lutherischen Liturgie ist anders als das katholische, viel selbsterniedrigender. Das war mir von Anfang aufgefallen. Es malt das Bild von der eigenen Schuld geradezu wolllüstig aus. „Mina, vaene patune inimene, tunnistan sinule oma patud üles, mis mina mõtte, sõna või teoga olen teinud ja millega mina sinu viha ja nuhtluse ajalikult ja igavesti küll olen ära teeninud.“

Das ist allergen, es ruft allergische Reaktionen hervor. Die Menschen sagen dann, dass die Kirche zu viel Wert auf die Sünde der Menschen legt und zu wenig Wert auf die Auferstehung. Gilt denn die Frohe Botschaft etwa nur für Leute, die bereit sind, sich selbst abzuwerten und als Sünder zu bezeichnen?