Lucky Luke’s secret

Ich stelle mir manchmal vor, dass ich eine halbe Stunde lang vor einem Saal voller estnischer Schüler reden dürfte bzw. müsste. Was würde ich denen sagen?

Bemerkung

Diese Seite ist nicht fertig und wird das auch so bald nicht werden.

Einleitung

(1) Ich bin erstaunt, dass ich hier stehe und zu euch rede. Eigentlich ist Reden überhaupt nicht mein Ding. Und ich kriege auch kein Geld dafür.

(2) Es kann sein, ich euch etwas zu sagen habe. Zumindest habe ich manchmal dieses Gefühl. „Die wollen hören, weshalb du glücklich bist“ sagt dann eine Stimme in mir. Aber eine andere Stimme in mir sagt darauf „Quatsch, Luc, die haben doch ihr Telefon, die brauchen keine Predigt, du bist Programmierer, kein Redner, also erspare dir die Mühe und denen die Qual“. Aber offenbar habe ich nicht auf mich selber gehört. Sonst stände ich ja nicht hier.

(3) Das ist wie wenn dir ein kleines Kunststück gelingt und du dich darüber freust. Dann kriegst du Lust, den anderen zu zeigen, wie das geht. Das kleine Kunststück, das mir gelingt, ist das, was man „ein erfülltes Leben“ nennt. Oder auch einfach „glücklich sein“.

(4) Wohlgemerkt, ich sage das nicht zum Angeben. Denn eines kann ich euch gleich zu Anfang sagen: glücklich zu sein ist nicht dein eigener Verdienst. Sondern ein Geschenk des Himmels.

(5) Haben alte Menschen den jungen Menschen überhaupt noch was zu sagen? Na klar: wir waren ja auch mal jung. Das ist bei mir noch gar nicht so lange her. Ich erinnere mich noch an meine Klassenkameraden, an den Matheunterricht, an meine erste Freundin, meinen ersten Kuss.

(6) Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, wo ich kapierte, dass ich die Frau gefunden hatte, die die Mutte meiner Kinder werden sollte. Wir gingen da gerade die Rottergasse hoch auf einem unserer Spaziergänge in den drei Tagen im April 1999, wo sie mich besucht hatte.

(7) Ich erinnere mich auch daran, dass ich einige ältere Verwandte immer wieder mal gerne besuchen ging. Mein Onkel und seine Frau spielten viel Rommé. Meine alte Patentante, wenn sie Milch in ihren Kaffee angeboten bekam, erklärte mir dann immer, dass Milch den Kaffee abkühle und dass sie kalten Kaffee nicht möge. Ein junger Mensch, der alten Menschen zuhören kann, kann dabei viele Sachen lernen, die man in der Schule nicht lernt.

(8) Ich erinnere mich auch noch an die Beerdigung meines besten Freundes. Der starb mit 17 Jahren bei einem Autounfall. Da habe ich mir gesagt: Was soll ich noch hier? Ich möchte auch tot sein. Ein Jahr lang habe ich getrauert und über diese Fragen nachgedacht.

Zwei Arten von Menschen

(9) Es gibt zwei Arten von Menschen: die glücklichen und die unglücklichen. Kann sein, dass das nur mein Eindruck ist. Es gibt Leute, die haben alles was man braucht zum Glücklichsein, und sie sind es trotzdem nicht. Und es gibt Leute, denen fehlt ungefähr alles wir so brauchen, und die sind trotzdem glücklich.

(10) Wie wird man glücklich? Wie kann man in so einer Welt wie dieser hier überhaupt glücklich sein?

(11) Hier ist eine Tabelle mit ein paar Gegensatzpaaren. Ein Gegensatzpaar sind zwei Worte, die sich einander ausschließen.

Liebe

Hass

Licht

Dunkelheit

Wahrheit

Lüge

Leben

Tod

Vergebung

Rache

Vertrauen

Angst

Übung: was würdest du als Titel der beiden Kolonnen schreiben?

(12) Man soll ja nicht nur in schwarz und weiß denken, aber andererseits ist unser Gehirn ein bisschen wie ein Computer, es funktioniert binär. Eine Nervenzelle lässt einen Impuls entweder durch oder nicht. Wir haben natürlich viele Nervenzellen. Aber letzten Endes ist unser Bauchgefühl, sind unsere Überzeugungen, binär: schwarz oder weiß, gefällt mir, gefällt mir nicht. Den mag ich. Oder auch nicht. Das ist richtig. Oder auch nicht. Das ist gut. Oder auch nicht.

(13) Also in der Wirklichkeit gibt es die Antwort „egal“ nicht. Es kann passieren, das ich meine binäre Meinung ändere. Früher war ich gegen same sex marriage, heute bin ich dafür. Aber unentschieden ist nur ein temporärer Zustand.

Über den Tod

(14) „Je früher du stirbst, desto länger bist du tot“ hatte mein Freund der mit 17 gestorben ist als Witz auf einen seiner Ordner geschrieben.

(15) Ein Mann stirbt im stolzen Alter von 103 Jahren, und kurz darauf folgt ihm seine Frau. Sie hatten 75 Ehejahre miteinander gelebt, und gemeinsam erkunden sie jetzt auch den Himmel, bestaunen das edle Badezimmer mit goldenen Wasserhähnen. Beim Abendessen sagt er „Siehst du es jetzt ein? Du mit deinen Knoblauchpillen! Wenn wir die nicht ständig genommen hätten, hätten wir das alles schon 20 Jahre früher haben können!“

(16) Wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann fragt man sich, wo der jetzt sein könnte. Der Tod, genauer gesagt, was danach kommt, hat die Menschen von jeher fasziniert.

(17) Rein biologisch ist die Sache klar: dein Körper mitsamt Herz und Gehirn verwest, und von dir bleiben ein paar Erinnerungen übrig. Vielleicht ein paar Gebäude (wenn du Architekt warst) oder ein paar Lieder (wenn du Sänger warst).

(18) Aber ist die rein wissenschaftliche Sicht die ganze Wahrheit? Es gibt drei mögliche Antworten auf diese Frage: „ja“, „nein“ oder „egal“.

(19) Die dritte Antwort („egal“) ist nur provisorisch. In Wirklichkeit entscheidest du dich spätestens im Unterbewusstsein für ein Ja oder Nein.

Die entscheidende Frage

(20) Es gibt aber eine Frage, auf die wir rein mathematisch betrachtet unmöglich die Antwort erfahren können.

(21) „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, das wussten schon die alten Griechen. [Wikipedia]

(22) Es gibt eine Theorie über das Jenseits, die meine Lieblingstheorie geworden ist.

(23) Wenn ein Kind geboren wird, dann hat es ja bis zur Geburt im Schoß der Mutter gelebt. Und in so einem Mutterschoß lebt es sich recht angenehm. Im letzten Monat vor der Geburt ist das Kind schon quasi fertig, aber es braucht nicht zu atmen, nicht zu essen, nicht zu verdauen, kriegt alles Lebensnotwendige durch den Nabel frei Haus geliefert. Keiner schimpft, wenn du dein Zimmer nicht aufgeräumt hast. Keiner verlangt von dir, bis zum nächsten Morgen zehn Seiten aus einem Schulbuch zu lernen. So ein Baby im Bauch der Mutter hat es echt gut, das kann man über Ultraschall und so sehen. Das Paradies auf Erden.

Aber dann kommen die Wehen! Stellt euch das doch bitte mal vor. Du lebst da so glücklich und zufrieden vor dich hin, und plötzlich, von einem Tag auf den anderen, geht das los. Wie ein Erdbeben. Du hast das Gefühl zu ersticken! Alles bricht zusammen. Die Welt geht unter! Das erste, was ein Kind tut, wenn es geboren ist: es schreit! Und das ist kein Freudenschrei, das ist ein verzweifelter, frustrierter Schrei.

(24) Der Frust des Babys nach der Geburt ist also logisch und verständlich.

Von Gut und Böse

(25) Wir Menschen haben immer nach Gut und Böse gefragt. Wir wollen das wissen. Morallehre ist die Wissenschaft von Gut und Böse.

(26) Wenn einer dir dein neues Fahrrad klaut, dann findest du das nicht gut. Klauen ist nicht gut. Das tut man nicht. Darüber sind wir Menschen uns seit ein paartausend Jahren ziemlich einig. Da gibt es kein Wenn und Aber.

(27) Eine andere Regel ist noch nicht so alt: Wenn man mit dem Fahrrad oder dem Auto herumfährt, dann muss man auf der rechten Straßenseite fahren, nicht auf der linken. Darüber sind sich alle außer die Engländer einig.

(28) Das mit dem Klauen ist auch gar nicht so klar. Robin Hood? Fringsen?