Nachtrag zur Krebsgeschichte¶
Samstag, 31. Januar 2026
Ein Freund, der meine Krebsgeschichte erst jetzt im Nachhinein gelesen hatte, schrieb „Oh Mann, ich bewundere wie stoisch Du durch Deine Krebserkrankung gegangen bist.“
Ich darauf: Ja, ich wundere mich auch, dass ich so glimpflich davongekommen bin. Nicht ich bin bewundernswert sondern diese Geschichte. Ich bin sicherlich kein Stoiker und auch kein Kämpfer, ich habe das weder „ertragen“ noch „erkämpft“, sondern habe das als ein bereicherndes Abenteuer erlebt. (Ich würde es natürlich dennoch keinem empfehlen ;-) Falls dir oder einem Freund mal eine Krebsdiagnose passieren sollte, empfehle ich die Einstellung „Keine Panik, jetzt wird’s interessant, und wenn es schief geht, stirbst du halt ein bisschen früher als geplant“.
Ehrlich gesagt (aber das wollen die meisten nicht hören) empfehle ich, diese Einstellung möglichst früh zu trainieren durch wöchentlichen Gottesdienst.
Um das zu illustrieren, lese ich euch mal drei Kostproben aus meinem heutigen Posteingang vor. Die ersten zwei sind Auszüge aus den Nachrichten, eine aus Estland, die andere aus Belgien:
Da die Vereinigten Staaten beabsichtigen, sich in die Innenpolitik unserer europäischen Länder einzumischen, mit dem erklärten Wunsch, die extreme Rechte zu unterstützen, und da soziale Netzwerke primär amerikanisch sind, ist es an der Zeit, unsere Smartphones und ihren Einfluss zu hinterfragen. Wie können wir darauf reagieren, gemeinsam und individuell? (…) Es ist tatsächlich die europäische extreme Rechte, die in den Vereinigten Staaten „Optimismus“ hervorruft. Ihr Einfluss wird bejubelt und gefördert. Die MAGA-Version Amerikas drückt deutlich den Wunsch aus, aktiv in unsere politischen Entscheidungen und unsere Länder einzugreifen – was als „starker Akt der Einmischung“ und sogar als eine Form von „hybrider Bedrohung“ angesehen werden kann. – Quelle: RTBF
Estland plant im Herbst einen Test US-anbieterfreier Software-Infrastruktur. „Für den Fall, dass beispielsweise Europa und die USA aus irgendeinem Grund – was unwahrscheinlich ist – beschließen, amerikanischen Produkten nicht mehr zu vertrauen, in welcher Situation befinden wir uns dann?“, sagte [Ergo Tars, Direktor des Nationalen Informationstechnologizentrums RIK). Quelle: ERR
Die dritte Kostprobe aus meinem Posteingang ist anders. Es ist eine Geschichte aus der Bibel, die heute in allen katholischen Gemeinden der Welt erzählt wird:
An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen? (Markus 4,35-41)
Ich weiß nicht, ob das jetzt so rüber kommt wie es bei mir angekommen ist, aber mich frappierte die krasse Deutlichkeit der Botschaft. Ja, wenn ich sonntags zur Messe gehe und montags sogar noch zum Taizé-Gebet, dann trainiere ich damit mein meine Hoffnung, meine Dankbarkeit, mein positives Denken, meinen Keine-Panik-Reflex. Das Evangelium macht resilient gegen existentielle Ängste.