Gemeingut als Mittelpunkt unseres Handels¶
Sonntag, 25. Januar 2026
Ich wollte noch sagen, dass ich stolz bin auf unseren König Philippe. Er hatte mich positiv überrascht in seiner Weihnachtsansprache. Bedenkt mal, so ein König ist ja heutzutage kein mächtiger Herrscher mehr, sondern „nur“ ein alter Mann, der sein Leben lang nichts anderes tut, als das Leben seiner Landsleute zu verfolgen und sich über deren Wohlergehen Gedanken zu machen. Der hat sich also wahrscheinlich gründlich überlegt, was er in seiner Weihnachtsrede sagt. Und was ist des Königs Meinung nach das Wichtigste? Ein selbstsicheres und showgerechtes Auftreten offenbar nicht. Das hat der nicht nötig. Aber worüber spricht der? Ich bin gespannt. Und dann sagt er folgendes:
„Das Gemeingut muss im Mittelpunkt unseres Handels stehen, auch wenn dies schwierige Entscheidungen erfordert, umso mehr als dass es heute regelmäßig in den Hintergrund gedrängt oder sogar verleugnet wird zugunsten von persönlichen Interessen.“
Nichts anderes sagt er. Nur das. Er veranschaulicht es auf allen Ebenen, vom Planeten über Europa und Belgien bis nach Brüssel. Ich sage euch was: der Mann hat Recht!
Er hat seine Rede natürlich gleich dreimal gehalten, in Deutsch, Französisch und Niederländisch.
Bemerkung: „bien commun“ (common good) würde ich als „Gemeingut“ und nicht als „Gemeinwohl“ übersetzen, aber selbst Wikipedia ist da momentan nicht klar. Was bestätigt, wie sehr das Thema vernachlässigt wird und wie recht unser Kõnig hat, das mal anzusprechen.
Hier der Text im Wortlaut:
Meine Damen und Herren, wir leben in einer Zeit, in der wir uns viele Fragen über den Zustand unserer Welt stellen. Wir machen uns Sorgen um die Zukunft. Deshalb möchte ich heute mit Ihnen über unser Gemeinwohl sprechen.
Das Gemeinwohl gehört uns allen. Es ermöglicht uns ein würdiges, sicheres Zusammenleben in einer gesunden und gerechten Welt. Es muss im Mittelpunkt unseres Handels stehen, auch wenn dies schwierige Entscheidungen erfordert, umso mehr als dass es heute regelmäßig in den Hintergrund gedrängt oder sogar verleugnet wird zugunsten von persönlichen Interessen.
Auf globaler Ebene beginnt der Erhalt des Gemeinwohls mit dem Schutz unseres Planeten. Die letzte Klimakonferenz in Berem hat sicherlich nicht alle Erwartungen erfüllt, aber die internationale Gemeinschaft setzt sich weiterhin unvermindert für den Klimaschutz ein. Die Anstrengungen der letzten zehn Jahre tragen erste Früchte und ein weiterer wichtiger Schritt wurde unternommen. Die tropischen Regenwälder wurden als globales Gemeingut anerkannt, das für den Kampf gegen den Klimawandel und den Erhalt der Arten Vielfalt von entscheidender Bedeutung ist. Die internationale Gemeinschaft hat sich verpflichtet, konkrete Maßnahmen zum Schutz dieser Regelwälder zu ergreifen, wie im Kongobecken.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Europa auf einem Friedensprojekt aufgebaut, das ihm zu Wohlstand verhalf. Dieser Frieden, unser kostbarstes gemeinschaftliches Gut, wird heute durch brutale Machtgier bedroht, insbesondere in der Ukraine. Unser Land unterstützt das ukrainische Volk weiterhin stark und entschlossen. Unsere Haltung in der Frage der russischen Vermögenswerte ändert daran überhaupt nichts. Jetzt ist die Zeit, in der wir alle innerhalb der Europäische Union solidarisch handeln müssen. Wir dürfen uns nicht auseinander bringen lassen. Gemeinsam sind unsere Demokratien viel widerstandsfähiger als manchmal angenommen wird.
Bei uns hat die Föderalregierung schwierige Haushaltsverhandlungen abgeschlossen. Die getroffenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, die öffentliche Finanzen zu sanieren und gleichzeitig unser Sozialmodell und unseren Wohlstand zu erhalten. Es ist verständlich, dass ein so kompliziertes Unterfangen, das den Kern unseres Gemeinwohls betrifft, Debatten und Spannungen hervorruft. In dieser Materie gibt es kein Wundermittel und keine eindeutige Lösung. Wir müssen bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen wachsam sein und dürfen die ursprünglichen Ziele nicht aus den Augen verlieren, indem wir sicherstellen, dass die Solidarität weiterhin jenen zugute kommt, die sie am dringendsten benötigen.
In Brüssel habe ich in den vergangenen Wochen viele Menschen getroffen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Nachbarschaft-Initiativen, Pflegepersonal, Polizeibeamte oder auch Mitarbeiter der öffentlichen Reinigungsdienste, Menschen, die ihre Arbeit zu Herzen nehmen, manche sogar auf heldenhafte Weise. Aber sie berichten mir auch, dass sie sich angesichts der Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, entmutigt und im Stich gelassen fühlen. Diese Schwierigkeiten wurden durch die unangemessene Dauer dieser Brüsseler Regierungsbildung noch verschärft. Da die Herausforderungen, denen sich die Region gegenüber sieht, immer dringlicher werden, fordere ich die Unterhändler auf, endlich eine Einigung über ein Programm zu erzielen, das dem Gemeinwohl dient.
Meine Damen und Herren, während der Festtage zum Jahresende feiern wir gemeinsam mit unseren Liebsten die Bande, die uns verbinden. Wir sollten uns bewusst sein, dass in schwierigen Zeiten die Sorge um das Gemeinwohl unsere Einheit stärkt. Meine Gattin, die Königin und unsere Kinder schließen sich mir an, um Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr zu wünschen.