Russisch in Estland¶
Freitag, 19. Dezember 2025
In Estland haben wir seit 2023 die spannende Situation, dass alle Schulen auf estnischsprachigen Unterricht umstellen müssen. Die Kinder, deren Eltern noch immer nicht kapiert haben, dass man hierzulande nun mal Estnisch und nicht Russisch spricht, müssen die mangelnde Einsicht ihrer Eltern jetzt schon im Kindergarten und in der Primarschule ausbaden. Bis 2023 wurden sie erst im Abitur seriös vor die Frage gestellt, ob sie die Landessprache trotz ihres anderssprachigen Elternhauses mittlerweile gelernt haben.
Natürlich ist das nicht ganz leicht.
2024-12-31 Rene Kundla (ERR) Koolid peaks eestikeelsele õppele üleminekul tegema rohkem, kui riik nõuab
2025-05-29 Katre-Liis Võhma, „Lapsed nutavad, lahkuvad tundidest.“ Vene koolidele oli esimene eestikeelsele õppele ülemineku aasta vaevaline Kristina Kallas ja Aleksei Jašin käisid kaemas, kuidas kohe lõppev kooliaasta varem venekeelsena tegutsenud koolides läinud on.
Es ist eine Herausforderung an die russischsprachige Gemeinschaft Estlands. Es kostet den Staat viel Geld und verursacht Arbeit, Stress und Frust bei Lehrern und Schülern. Wozu also? Das Unterrichtsministerium formuliert es so:
Ziel der Umstellung auf estnischsprachigen Unterricht ist es, allen estnischen Kindern, unabhängig von ihrer Muttersprache, die Möglichkeit einer qualitativ hochwertigen estnischsprachigen Ausbildung zu bieten. Die Umstellung aller estnischen Schulen und Kindergärten auf Estnisch liegt im Interesse der Kinder und Jugendlichen selbst, da estnischsprachiger Unterricht ihnen hilft, sich in den estnischen Kultur- und Werteraum zu integrieren, sodass sie ihre Identität bewahren und gleichzeitig ihre Möglichkeiten erweitern. Ein einheitlicher estnischsprachiger Bildungsraum bietet allen Kindern und Jugendlichen bessere Chancen auf weitere Bildung und die Suche nach geeigneten Berufen und Freizeitaktivitäten. Estnischsprachiger Unterricht unterstützt die Herausbildung der estnischen Nationalidentität, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und trägt zur Verringerung der Bildungs- und sozioökonomischen Segregation bei. Die Ergebnisse einer OECD-PISA-Studie zeigen, dass Estland zwar die beste russischsprachige Bildung weltweit bietet, diese aber im Vergleich zur estnischsprachigen Bildung durchschnittlich ein Schuljahr zurückliegt. Zudem mangelt es für den russischsprachigen Unterricht an modernen Lehrmaterialien, und Estland hat seit Jahrzehnten keine Lehrkräfte mehr für russischsprachige Schulen ausgebildet. (Quelle)
Die Experten sind sich einig, dass das eigentlich schon 1993 hätte begonnen werden müssen.
Aber mindestens ein Freund von mir ist überzeugt, dass das Projekt insgesamt eine dumme Idee ist. „In manchen Schulen stehen russischsprachige Lehrer vor russischsprachigen Kindern und dürfen mit ihnen nur in estnisch kommunizieren. Diese Kinder lernen also weder ordentlich Estnisch noch ordentlich Russisch. Das ist ein Verstoß gegen das Menschenrecht. Nicht nur die Kinder leiden darunter, sondern wir alle. Der Anteil von Einwohnern mit unzureichender Ausbildung wird steigen, somit auch die Kriminalität. Dass die estnische Sprache ausstirbt, liegt nicht an den russischsprachigen Esten, sondern an der invasiven englischen Sprache.“
Als Ostbelgien damals an Belgien ging, sagten die Belgier „Willkommen im Club, jetzt machen wir aus unserem zweisprachigen Staat einen dreisprachigen“. Das war recht nett von den Belgiern. Schon etwas weiter südlich, im Elsass, wurden sie nicht so tolerant empfangen, da bekamen sie von den Franzosen gesagt „Schön, dass ihr jetzt wieder eine ordentliche Sprache lernt statt diese komische Fremdsprache, die man euch jahrhundertelang aufgezwungen hat.“
Wie aber sollten es die Esten mit ihren Russischsprachigen machen? Aus systemanalytischer Sicht scheint mir klar: Estland darf es nicht wie die Belgier mit den Ostkantonen machen sondern muss es wie die Franzosen mit dem Elsass machen. Die estnische Sprachgruppe ist so klein gegenüber der gleich daneben lebenden russischen Sprachgruppe, dass der Schutz der estnischen Sprache vor Überwucherung durch russischsprachige Einwanderer prioritäres Ziel sein muss. Wir müssen alles Menschenmögliche daran setzen. Durch die Einwandererwelle aus der Ukraine ist das Problem noch akuter geworden. Die Weltgemeinschaft wäre bald um eine Sprache ärmer, wenn die estnische Regierung das nicht täte. Es mag sein, dass Englisch dem Estnischen mehr Schaden zufügt als Russisch, aber das ist eine andere Art von Bedrohung und deshalb kein Argument in der Diskussion um den estnischsprachigen Umterricht.
Wo bleiben die Menschenrechte? Artikel 26 gibt jedem das Recht auf Erziehung, und Artikel 2 besagt, dass alle Rechte unabhängig von Sprache gelten. Ja, wegen dieser Menschenrechte organisierte der estnische Staat ja dann auch Unterricht in russischer Sprache. Damit die armen Kinder, deren Eltern noch immer nicht einsehen wollen, dass man hierzulande nun mal Estnisch und nicht Russisch spricht, wenigstens nicht ohne Schulbildung da stehen. Aber wenn eine spanische Familie mit vier Kindern nach Estland einwandert, haben die doch auch kein Recht auf einen eigenen Lehrer in ihrer Muttersprache. Weshalb sollten also russischsprachige Einwandererkinder ein solches Recht haben?
Darf das Wohl einer Gemeinschaft wichtiger sein also das Wohl einzelner Kinder? Diese Frage ist manipulativ, weil sie unterschwellig behauptet, dass diese Maßnahme den Menschen Schaden zufügt. Wir sehen aber, dass sie mehr Gutes tut als Schaden anrichtet. Schaden richtet sie nur bei denen an, die sich gegen Veränderung wehren.
2023-01-20 Natalia Tšuikina, Vene keel eesti koolis – kas õnn või õnnetus? Der Artikel hat ziemlich demagogische Züge (von mir in fett markiert): „lastevanemad millegipärast eelistavad vene keelt näiteks saksa keelele“, „on ilmselge, et vene keel võõrkeelena on Eesti ühiskonnas palju populaarsem kui saksa keel“, „Kui poliitikud tahavad ühiskonna toega vene keelt meie koolidest välja suruda“, „Mulle tundub, et selle ilusa mitmekesisuse idee taga on meie poliitikute eesmärk lõpetada vene keele õpetamine Eesti koolides. Põhjuseks on mõistagi Venemaa agressioon Ukrainas.“
2025-04-04 Sprache Elsass: Das vielfältige Erbe einer kleinen Region
„Nach dem Ersten Weltkrieg kam das 1871 abgetretene Gebiet wieder zu Frankreich. Die reichsdeutschen Beamten und nach 1871 Zugezogene und deren Nachfahren (insgesamt 300.000 Menschen) mussten das Elsass verlassen. Im Gegenzug kehrten viele Menschen zurück, die 1871 nach Frankreich gezogen waren.“ (Geschichte des Elsass)