Zwei Wochen Heimaturlaub¶
Donnerstag, 4. Dezember 2025
Nach zwei Wochen Heimaturlaub bin ich jetzt wieder zu Hause. Ich könnte ja viel erzählen (und wenn ich mal pensioniert bin hole ich das vielleicht nach), aber fürs erste hier nur zwei kleine faits divers.
Beim Rückflug hatte ich eine etwa 35-jährige Dame neben mir sitzen, die mein „Hello“ beim Hinsetzen nur überrascht erwiderte und dann weiter konzentriert in ihrer Kontaktliste im Telefon herumblätterte. Ich deutete das als ein klares Signal „Fangen Sie jetzt bloß nicht an, mit mir zu reden“ und hielt mich brav daran. Aber als sie nach etwa zehn Minuten damit aufhörte, fragte ich sie „Are you from Estonia?“. Wie sich herausstellte, war sie eine waschechte Russin, die in Istanbul einen Schweizer kennengelernt hat und jetzt mit ihm in der Schweiz lebt. Sie ging ihre Eltern in Russland besuchen. Sie wunderte sich, weshalb wir Europäer uns so sehr in der Ukraine investieren, das sei doch gar nicht unser Problem, und die Ukraine sei korrupter als Russland, und Selensky reicher als Putin. Ich erklärte ihr, dass man doch eingreifen müsse, wenn ein Klassenkamerad auf dem Schulhof von zwei älteren Schülern verprügelt würde. Bezüglich Korruptionsindex und Privatvermögen der Staatsoberhäupter hatte ich keine Zahlen zur Hand und habe ihr nicht widersprochen. Auch sie fand den Krieg in der Ukraine dumm und fürchtete, dass Putin dabei sei, Russland in den Ruin zu treiben, aber dass man so etwas in Russland ja leider nicht sagen dürfe. Also ein ganz normaler Mensch wie wir, mit etwas anderen Informationsquellen als wir.
Das Einpacken und die Sicherheitskontrolle war ein bisschen spannend gewesen, denn ich hatte 3 Kg Chicorée gekauft (2 davon für einen Freund) und wollte nicht extra dafür einen Koffer registrieren, das hätte mehr als dreimal so viel wie die Chicorée gekostet. Deshalb las ich die Liste der verbotenen Produkte sorgfältig durch und fand dort nichts über Chicorée. Was allerdings nicht viel zu sagen hatte, denn auch von Käse stand dort nichts, und ich erinnere mich noch schmerzlich, wie sie uns vor Jahren einmal einen ganzen Kilo Käse konfisziert hatten. Ich machte mich darauf gefasst, Widerstand zu leisten, falls sie das diesmal auch mit der Chicorée versuchen würden. Glücklicherweise kam es nicht zum Kampf.
P.S.
20251213 Mit Interesse habe ich heute einen Artikel über die Geschichte der Korruption und deren Bekämpfung in der Ukraine gelesen: L’ombre des oligarques ou comment l’Ukraine lutte toujours contre la corruption. Ohne die unbekannte Sitznachbarin beim Rückflug hätte ich das wohl kaum getan.